» Richtig Scannen  

Vortrag vonRoland Bolliger beim SeniorenTreff am 5.11.2002


Die Geräte zum digitalen Erfassen von Dokumenten- und Bildvorlagen sind eine gute Möglichkeit alle und alte Quellen digital zu erfassen und zu speichern.

Der Scanner ist das Auge Ihre PC's. Ein guter Farbscanner kostet heute weniger als 100 €. Allerdings will richtig scannen gelernt sein. Eine grosse Vielfalt unterschiedlicher Hardware, sowie eine fast unbegrenzte Möglichkeit die Qualität eines Scans zu beeinflussen, machen es notwendig, dass man sich mit der Thematik des Scannens vertraut macht.

Welche Arten von Scannern gibt es ?

1. Handscanner
Durch den dramatischen Preisverfall bei Flachbettscannern glaubt man, dass das Thema Handscanner tot ist. Man muss sie suchen, sie sind einfach und auch billiger geworden. Nachteil dieser Geräte ist die Verwackelungsgefahr;

2. Flachbettscanner
Die Flachbettscanner waren einst eine Profihardware und haben sich durch den teilweise erheblichen Preisverfall auch dem Hobbyanwender erschlossen. Diese Geräte gibt es schon ab 100 €, incl. Beiliegender Software, wie z.B. Picture Publisher etc. Natürlich darf die Treibersoftware sowie ein OCR-Programm nicht fehlen.
Bei den Flachbettscannern gibt es verschiedene Typen:

a) Three Pass Technik - Hier fährt der Scanner dreimal über die Vorlage und verwendet für die Beleuchtung jeweils ein rotes, grünes und blaues Licht. Diese Geräte gibt es nicht mehr zu kaufen.

b)Single-Pass-Technik - Hier tastet der Scanner eine Zeile dreimal hintereinander mit verschiedener Farbbeleuchtung ab. Es gibt noch andere Geräte, die ein Prisma verwenden, um die Farbspektren zu erfassen. Diese sind im Hobbybereich allerdings unbezahlbar.

3. Dia-Scanner
Diascanner sind Spezialgeräte für das Scannen von einzelnen oder ganzen Streifen von Negativen oder Dias. Flachbettscanner bieten zwar auch Durchlicht- oder Aufsatzlösungen an, allerdings erreichen solche Lösungen bei weitem nicht die Auflösung der Spezialgeräte.


Anschlüsse
Um den Scanner anzuschliessen gibt es heute mehrere Möglichkeiten: Parallel, USB oder SCSI - jede hat Vor- und Nachteile.

Parallel - zu langsam, kann Probleme mit anderen Geräten geben (z.B. mit Drucker oder Ziplaufwerken).

USB - Kann problemlos von jedem Windowsrechner an den anderen angeschlossen werden, ohne den Rechner herunterfahren zu müssen.

SCSI - der Schnellste - im Lieferumfang ist eine einfache SCSI-Karte vorhanden. Die Inbetriebnahme ist problemlos, man muss aber einen Schraubenzieher benutzen oder man kann den Scanner an einen vorhandenen SCSI-Controller anschliessen.


Was ist Scannen eigentlich?

Scannen ist die Konvertierung eines Bildes auf Papier, Film oder Dia in ein digitales Format, welches der Rechner kennt. Der Scanner übernimmt die durch reflektiertes Licht erzeugten Farben, die von der gedrduckten Vorlage wahrgenommen werden. Diese Farben werden in ein digitales Format konvertiert. Die Lichtquelle im Scanner hat eine bestimmte Anzahl an lichtempfindlichen Elementen und diese unterscheiden sich je nach Scanner. Diese Zahl ist die optische Auflösung des Scanners. Die meisten Scanner und die Scannersoftware können diese maximale optische Auflösung noch künstlich erhöhen. Dies nennt man Interpolation.

Der Karteneinbau

Zum Lieferumfang bei Flachbettscannern gehört in der Regel eine SCSI-Karte. In den meisten Fällen ist das eine ganz einfache SCSI-Karte, an der keine weiteren SCSI-Geräte angeschlossen werden können. Bei einigen Modellen ist aber eine vollständige SCSI-Karte im Lieferumfang enthalten, woran auch andere SCSI-Geräte angeschlossen werden können. Wenn Sie bei Ihrem Rechner schon eine SCSI Schnittstelle haben, sollte der Scanner daran angeschlossen werden, da sonst evtl. mit Problemen zu rechnen ist.
Die dem Scanner beiliegende SCSI Karte wird in einen freien ISA-Slot gesteckt und auf korrekten Sitz überprüft. Anschliessend muss man den Rechner schliessen und den Scanner mit dem beiliegenden Kabel anschliessen. Damit ist der Karteneinbau abgeschlossen.

Installation der Software

Dem Scanner liegen Softwarepakete bei, wobei das Herzstück die twainkompatiblen Scannertreiber sind. Diese Treiber stellen sicher, dass der Scanner mit fast jeder anderen Windowssoftware betrieben werden kann. Diese Treiber gibt es als 16- und 32-Bit-Treiber, wobei die 32-Bit Treiber nicht unter Windows NT laufen, hier braucht man spezielle NT-Treiber. Die Installation des Twain Treibers ist recht einfach. Starten Sie Windows 9x und gehen Sie anschliessend in der Systemsteuerung auf Software, hier auf die Funktion Installieren gehen und dann den Anweisungen auf dem Bildschirm folgen. Danach sollten Sie Ihren Rechner neu booten. Damit Sie jetzt scannen können, benötigt der Twain Treiber ein sogen. Wirtsprogramm. Nun können Sie die beiliegende Grafiksoftware installieren oder Ihre vorhandene Software verwenden.
Jetzt müssen wir noch die Grafiksoftware konfigurieren. Schalten Sie den Scanner ein. Rufen Sie die twain-kompatible Software auf. Wählen Sie den Befehl Bild holen (im Menue Datei) und klicken Sie auf die Funktion Quelle wählen. Wählen Sie in der Liste Flatbed Scanner als Bildquelle aus. Die Konfiguration ist somit abgeschlossen. Jetzt steht Ihrer Auffahrt auf den Pixel Highway nichts mehr im Wege. Legen Sie ihre erste Vorlage ein und wählen Sie im Menue Datei die Funktion Bild holen und klicken anschliessend auf holen.


Die Kalibration

Der Scanner sieht eine Farbe auf seine Weise, der Monitor interpretiert die selbe Farbe anders und der Drucker sieht dieselbe Farbe auch anders. Das bedeutet, dass jedes Gerät wie Monitor, Scanner und Drucker unterschiedliche Farbtoleranzen haben. Man sollte auch wissen, dass der Monitor und der Scanner sogenannte RGB Geräte sind, denn bei der Darstellung eines Bildes kommen Phosphore mit den drei Farben Rot Grün und Blau (RGB) zum Einsatz. Bei Druckmaschinen oder Drucker kommen vier Farben zum Einsatz. Das sind die Skalenfarben mit den Farben Cyan, Magenta, Gelb und Schwarz (CMYK). Diese beiden Farbkonzepte sind nicht nur unterschiedlich, sondern unterscheiden sich auch von Bildschirm zu Bildschirm. Beim Drucker kann es ein RGB Gerät oder ein CMYK Gerät sein. Deshalb sollte die Kalibration direkt nach der Installation erfolgen. Beim Kalibrieren wird die Farbwiedergabe von Monitor, Scanner und Drucker abgestimmt. Dazu benötigt man auch eine genormte Vorlage, und zwar die IT8-Vorlage. Diese enthält alle wichtigen Farbkombinationen sowie alle Graustufen. Bei manchen Grafikprogrammen ist die IT8-Vorlage im Lieferumfang enthalten, ansonsten bei der Firma Kodak oder im guten Fotoladen nachfragen. Wichtig ist auch, dass der Bildschirm und die Glasplatte des Scanners sauber sind.

Der Drucker

Leider hat man beim Drucker nicht die selben objektiven Hilfsmittel wie beim Monitor oder Scanner. Hier bleibt nur das Auge als Ihr Gehilfe. Auch die Wahl der verwendeten Papiersorten ist wichtig, hier werden die Farben je nach Papiersorte heller oder dunkler. Die meisten modernen Druckertreiber besitzen eine Automatik, die für jeden Verwendungszweck das richtige Druckverfahren wählt. Setzen Sie in jedem Fall die Qualität des Ausdrucks auf Maximum. Nur so erhält man vergleichbare Ergebnisse. Vergleichen Sie den Ausdruck mit der Grafik, die auf Ihrem Bildschirm zu sehen ist. Diesen Ausdruck sollten Sie mit Standard beschriften und anschliessend verschiedene Einstellungen ausprobieren und ausdrucken. Dies sollte auch mit jeder Papiersorte gemacht werden, die Sie verwenden. Die beste Druckereinstellung, die mit der Bildschirmeinstellung übereinstimmt, notieren Sie sich und kleben diese an den Monitor.
Druckereinstellung:
Muster für einfache Grafiken;

Cluster komplexe Grafiken und gescannte Bilder, diese lassen sich optimal fotokopieren

Gestreut anspruchsvolle Grauschattierungsgrafiken, z.B.
Gescannte Bilder, Computer Illustrationen;

Bei vielen Druckern gibt es auch die Funktion Fotodruck. Diese eignet sich für alle eingescannten Fotos.

Hinweis: Erst nach dem Trocknen der Tinte und des Papiers sehen Sie das echte Ergebnis. Wollen Sie besonders gute Ausdrucke, sollte der Drucker nicht im Hintergrund laufen, sonst kann es sein, dass der Druckkopf zuweilen stillsteht. Dann trocknet die Tinte an diesen Stellen schneller als an anderer Stelle und dies führt zu Farbverschiebungen.

Die Auflösung

Die meisten Anwender scannen die Bilder mit zu hoher Auflösung. Die Folgen sind riesige Datenmengen und damit verbunden auch eine lange Bearbeitungszeit. Ein Qualitätsunterschied im Druck ist ab einer bestimmten Mindestauflösung nicht mehr erkennbar. Haben Sie einen Drucker mit 300 dpi und scannen das Bild mit 600 dpi, bekommen Sie das Bild trotzdem nur mit 300 dpi gedruckt. Die Auflösung und Grösse eines Bildes können Sie im Scannermenue stufenlos einstellen. Nur merken Sie sich, dass Farbbilder im Gegensatz zu Graustufenbilder eine grössere Auflösung brauchen. Die besten Ergebnisse erzielt man beim Scannen mit der physikalischen , optischen Auflösung. Bei Bedarf die Vorlage mit ein und derselben Scannereinstellung 2x scannen und die Auflösung doppelt so hoch einstellen wie man sie benötigt. Hierbei muss man darauf achten dass die maximale physikalische Auflösung des Scanners nicht überschritten wird.
Die konkrete Formel zur Berechnung der Auflösung:
(endgültige Bildhöhe/ursprüngliche Bildhöhe)*Rasterfrequenz*2=benötigte Auflösung.

Beispiel: Die Ausgabequalität ist 300 dpi und das Bild hat eine Vorlagenhöhe von 16 cm und soll später auf 10 cm reduziert werden.
Die Berechnungsformel lautet: 10 cm (gewünschte Grösse)/16 cm (Vorlagengrösse)*100 = 62,5 % .

Wird beim Scannen die voraussichtliche Abmessung eines Bildes eingegeben, verändert der Scanner intern die Auflösung so, dass das Bild später wieder die Auflösung von 300 dpi hat. Dieser Vorgang wird als effektive Scannerauflösung bezeichnet.

Weg von der komplizierten Formulierung und Mathematik, nur soviel, damit Ihnen ein wenig klar wird, das Scannen eben nicht nur Scannen ist.
Jetzt noch einige Hinweise für Sie:

Kleine Farbverschiebungen

Können von Flecken auf der Glasoberfläche herrühren. Deshalb die Scanfläche immer säubern. Die Leuchtstoffröhre eines Scanners verliert mit der Zeit an Intensität. Ein erneutes Kalibrieren ist alle 6 Monate sinnvoll, je nach Häufigkeit der Anwendung.

Lampe schonen

Der Flachbettscanner arbeitet mit einer Neonröhre als Belichtungsquelle und wird durch das Ein- und Ausschalten am stärksten belastet. Führen Sie daher immer mehrere Scans in einem Rutsch durch.

Beschwertes Scannen

Scanner erzeugen mehr oder weniger starke Vibrationen. Diese reichen aus, um Vorlagen während des Scannens zu verschieben. Dadurch entstehen Unschärfen oder Farbverzerrungen. Lösung: Legen Sie Bücher zum Beschweren auf die Abdeckung.

Staub

Der Staub auf der Vorlage sowie auf dem Vorlagenglas ist ein lästiges Problem. Nach dem Scannen der Vorlage muss jedes deutliche Staubkorn von Hand entfernt werden, was aufwendig ist. Daher die Devise vor jedem Scan die Vorlage, das Vorlagenglas gründlich reinigen und dann erst scannen. Danach die Glasfläche nochmals reinigen.

Streulicht vermeiden

Bei allen Scannern erzielen Sie bessere Ergebnisse, wenn diese in einer Ecke stehen und nicht auf dem Fensterbrett oder in Fensternähe. Einfallendes Licht führt zu flauen und unscharfen Ergebnissen.

Digitale Unterschrift

Die eigene Unterschrift kann man einscannen und als Grafikdatei abspeichern und in jedem Dokument einfügen.

Die Funktion Schärfen

Fast alle Bildbearbeitungsprogramme haben die Funktion Schärfen. Mit dieser Funktion erhält man ein vermeintlich schärferes Bild. Gerade beim Scannen von Fotos kann dies sehr wertvoll sein. Diese Funktion sollte man aber erst einsetzen, wenn das Bild seine endgültige Grösse erreicht hat und die verschiedenen Manipulationen durchgeführt wurden, sonst kann dieser Effekt zum Gegenteil führen.

Scannbereich festlegen

Jeder Flachbettscanner bietet eine Vorschau an, um den Bereich, den Sie scannen möchten, festlegen zu können. Wählen Sie den Bereich immer etwas grosszügiger. Genauer arbeiten Sie danach im Bildbearbeitungsprogramm.

Nicht immer abdecken

Die Flachbettscanner haben eine aufklappbare Deckplatte, um das darunter liegende Motiv glatt zu drücken. Dies ist zwar sinnvoll, aber auch das Weglassen kann sinnvoll sein; beim Einscannen von hellen Motiven oder wenn man ein 3d-Motiv einscannt.

Fassen wir alles noch einmal in Kurzform zusammen:
1. die am Scannen beteiligten Geräte ggf. kalibrieren;
2. die Bildvorlage und das Scan-Glas reinigen;
3. die Vorlage gerade auf den Scanner legen;
4. die Farbtiefe für Graustufen- oder Farbvorlage festlegen;
5. das Farbmodell festlegen - RGB für Monitor - CMYK für Druck;
6. Vorscan anfertigen und den benötigten Ausschnitt festlegen;
7. die Helligkeit und den Kontrast festlegen;
8. Scannen;
9. das gesamte Bild nachbearbeiten (Entrastern, Farbstich etc);
10. das Bild in einem geeigneten Grafikformat abspeichern;

Wenn all diese Punkte beachtet werden, lässt sich einiges an Unmut vermeiden.
Nun viel Spass beim scannen.


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